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Dienstag, September 21, 2021
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Gemeinsam statt einsam

Generationen?bergreifendes Wohnen als Lebensform der Zukunft

Die Zeitungs-Meldungen von hilflosen alten Menschen, die in ihren Wohnungen st?rzen oder gar unbemerkt sterben, h?ufen sich. Da ist zum Beispiel die 71j?hrige aus Neu Wulmstorf, der es nach einem Sturz in der Badewanne erst nach vier Tagen gelang, Hilfe zu holen. Sie hatte sich eine Fraktur zugezogen, konnte nicht mehr aufstehen und schaffte es mit allerletzter Kraft an die T?r, um die Nachbarn zu verst?ndigen. Was bei ihr gerade noch gut ging, endet bei manchen ?lteren Alleinstehenden nicht so gl?cklich.
Das m?sste nicht sein. Wenn Wohnquartiere rechtzeitig erschlossen werden und Gemeinden generationen?bergreifend bauen, ist niemand gezwungen, seine Heimat aus gesundheitlichen Gr?nden zu verlassen. Wird auf die Bed?rfnisse aller Altersgruppen eingegangen, k?nnen Menschen jahrzehntelang an einem Ort wohnen bleiben und ihre Sozialkontakte aufrechterhalten. Damit das funktioniert gilt es, eine Infrastruktur zu schaffen. Daf?r sind neben Einrichtungen des betreuten Wohnens auch Mehrgenerationenh?user und barrierefreie Wohnungen n?tig. ?ltere Menschen k?nnen dort so lange wie m?glich ihre Unabh?ngigkeit behalten und werden selbst dann nicht aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen, wenn sie t?gliche Pflege brauchen.

Bei intelligenter St?dtebauplanung profitieren Jung und Alt

Die Bev?lkerung in Deutschland wird ?lter. Bereits heute sind rund 21 Millionen Menschen 60 Jahre oder ?lter, in 20 Jahren werden es ?ber 28 Millionen sein, sch?tzt das Familienministerium. Das sind mehr als ein Drittel der Gesamtbev?lkerung. Das fordert Wirtschaft und Gesellschaft enorm heraus; denn dem demografischen Wandel l?sst sich nur mit einer vorausschauenden Wohnungs- und St?dteplanung begegnen, die das soziale Miteinander f?rdert. Quartiere mit sozialer Infrastruktur beg?nstigen eine lange Mobilit?t und dadurch eine hohe Lebensqualit?t im Alter. Doch auch die Jungen profitieren davon: besteht f?r die ?lteren die M?glichkeit, zum Beispiel nach dem Auszug der Kinder oder dem Tod des Partners in kleinere barrierefreie Wohneinheiten umzuziehen, werden f?r Familien gr??ere Wohnungen frei und ein generationengerechtes Miteinander kann reifen.
Ein positives Beispiel sind die Wohnanlagen der Baugesellschaft GfG in B?rnsen. Dort haben etwa 1.000 Bewohner aller Altersstufen ein neues Zuhause gefunden. Die Gemeinde hat Wohnungen f?r Menschen ab 60 Jahren bauen lassen, die alle schwellenfrei und per Aufzug zu erreichen sind. In unmittelbarer Nachbarschaft entstanden Reihenh?user f?r Familien, sowie Gemeinschaftseinrichtungen und alles, was man sonst noch so braucht: Lebensmittelgesch?fte, Friseur, Arztpraxen und Fitnesscenter. Mehrere W?lder und Naherholungsgebiete aber auch Hamburg sind ebenfalls schnell zu erreichen. Junge Familien sind begeistert von der nachhaltigen, energieeffizienten Ausstattung der H?user und den im Vergleich zur Gro?stadt g?nstigen Preisen. Sie sch?tzen die Gr?nfl?chen und Spielpl?tze f?r ihre Kinder, die unbeschwert aufwachsen k?nnen. ?ltere Menschen freuen sich ?ber die Betreuung durch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) vor Ort und den Komfort einer leicht zu bedienenden Haussteuerung, die sie vielf?ltig unterst?tzt, wenn die Kr?fte nachlassen.

Technische Assistenzsysteme schaffen mehr Wohnkomfort

Neben elektrischen Rolll?den, sich selbst regulierenden Heizungen und Bewegungsmeldern setzt die GfG haupts?chlich auf die Ambient-Assisted-Living-Komponenten (AAL) des Automatisierungs-Anbieters MyGekko. Diese Assistenzfunktionen sind unauff?llig im Geb?ude verbaut und arbeiten mit Sensoren, die zum Beispiel Alarm schlagen, wenn ein alter Mensch st?rzt. Im Alltag kompensieren solche Systeme Einschr?nkungen, z.B. beim Sehen oder H?ren. So kann ein Anruf oder die T?rglocke durch Vibration oder Lichtsignale angek?ndigt werden. Alle Sensoren sind dezent und unauff?llig in die Wohnr?ume eingebaut, lassen sich intuitiv bedienen und stigmatisieren ?ltere Menschen nicht als gebrechlich; denn sie werden nur von „Eingeweihten“ bemerkt und greifen in Bedarfs- oder Notf?llen automatisch und k?nnen Angeh?rige oder Pflegedienste verst?ndigen. Aber auch an gew?hnliche Dinge, wie die p?nktliche Einnahme von Medikamenten, erinnern die automatischen Hilfsfunktionen. Die Steuerung kann mit g?ngigen Sprachsystemen wie Alexa kombiniert werden und das Smart-Home gehorcht aufs Wort. M?glich sind auch Verkn?pfungen mit Videoanwendungen, die einen visuellen Kontakt zu Familie und Freunden oder einen Online-Besuch beim Arzt erm?glichen. Gerade in Corona-Zeiten ist das ein wichtiges Instrument, das der Einsamkeit im Alter entgegenwirken kann, auch wenn der pers?nliche Kontakt unersetzlich ist. Und gerade das pers?nliche Miteinander ist durch eine gute und gewachsene Nachbarschaft ?ber Generationen hinweg ein wertvolles Geschenk.
Je eher St?dte und Gemeinden mit der Umsetzung solcher Projekte beginnen, desto besser gestalten sich die gesellschaftlichen Herausforderungen von morgen.

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