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Nato-Abzug vom Friedhof der Imperien – auch der Westen tappte in die „Afghanistan-Falle“

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Der nunmehr für den 11. September angekündigte Abzug der USA und ihrer Nato-Verbündeten aus Afghanistan reiht sich ein in eine Liste von Niederlagen am Hindukusch. Die Geschichte wäre eine exzellente Lehrmeisterin gewesen, hätte man nur ein wenig nachgelesen.Vor vielen Jahren las ich folgenden Satz, der als „alte Weisheit“ englischer Militärhistoriker gelten soll: „Führe niemals Krieg gegen Afghanen, Kurden und Jemeniten.“ Das British Empire hatte seine Lektionen brutaler Niederlagen zwar immer wieder gelernt, aber nicht jede Generation von Entscheidungsträgern beherzigte sie. In diesem Beitrag gehe ich nur auf Afghanistan ein, weil diese alte Diagnose angesichts der laufenden Vorbereitungen für den Nato-Abzug wieder aktuell ist. Hatte Donald Trump einen solchen noch für den 1. Mai 2021 angekündigt, verschob ihn sein Nachfolger Joe Biden auf den 11. September. Ob diese Symbolik, 20 Jahre nach den Anschlägen, in die kein afghanischer Staatsbürger involviert war, militärisch sinnvoll ist, sei dahingestellt.

Stammeskrieger und Berghirten vertreiben Armeen

In die Geschichte und zwar gleichermaßen in jene der Literatur wie die der Kunst, aber vor allem der militärischen Ausbildung ging das Debakel der britischen Expedition von 1839 ein. Das britische Kolonialreich wollte die russische Einflusssphäre nördlich von Indien zurückdrängen. Es war die Zeit des „Great Game“, also des Vermessens der britischen und russischen Gebiete, die der Schriftsteller Rudyard Kipling detailliert beschrieb. Zu diesem Zwecke installierte London Marionetten im Puffergebiet am Hindukusch, also dem schwer kontrollierbaren Afghanistan, um sie bei Bedarf wieder auszuwechseln. Gewissermaßen ist Großmachtpolitik per Fernsteuerung nichts Neues unter der Sonne.Anfang 1842 endete dieser britische Vorstoß nach Afghanistan in einem dramatischen Debakel und einem Massaker: 4500 Soldaten und rund 12.000 Zivilisten unternahmen den Rückzug in Richtung Kabul. Augenzeugen zufolge ließen die afghanischen Stammeskrieger nur einen Engländer am Leben, damit er von den Gräueln zu Hause berichten möge. Der Arzt Dr. William Brydon gelangte auf einem halbtoten Pferd über die Frontlinien nach Jalalabad. 1878 musste eine diplomatische Lösung für die britisch-russischen Einflusszonen gefunden werden. Auch diese blutige Episode, wenngleich weniger dramatisch als die Afghanistan-Debakel unserer Tage, musste letztlich am Verhandlungstisch neu geordnet werden.

Afghanistan lehrte schon viele scheinbar Mächtige das Fürchten

Einer der vielen Beinamen des Territorialstaats Afghanistan lautet nicht zu Unrecht „graveyard of the empires“, also Friedhof der Imperien. Die sowjetische Armee verließ Anfang 1989 das Land, nachdem die Mudschaheddin, von den USA militärisch ausgerüstet und von Pakistan wie Saudi-Arabien ausgebildet, die Soldaten in die Knie gezwungen hatten. Der britisch-pakistanische Autor Tariq Ali verwies in seinem Buch über den Zusammenprall der Fundamentalisten auf die Verbindung zwischen den Ereignissen in Afghanistan und den Aufstieg des militanten Islamismus. Das US-Außenministerium hatte auf Vorschlag des Sicherheitsberaters Zbigniew Brzeziński gleichsam formal zum Dschihad aufgerufen. Im Namen des Islam sollten die ungläubigen Sowjets vertrieben werden. Der Abzug aus Afghanistan war in gewisser Hinsicht der Anfang vom Ende der UdSSR. Liest man die Protokolle der damaligen Beratungen in Moskau nach, so fühlt man sich frappant an die Gegenwart erinnert.

Bloß verabschieden sich nun die USA und ihre Verbündeten in vielerlei Hinsicht noch viel abrupter. Es ist ein ungeordneter Abzug, bei dem die Nato zwar möglichst ihr gesamtes Material mitnehmen möchte, doch die politische Arena ist nun dem Zufall überlassen. Und es gilt das alte Mantra, dass die Natur kein Vakuum mag. Nachrücken werden chinesische Vertreter, die aber mehr Handel treiben als Kriege führen werden. Es geht hierbei auch um seltene Erden und Lithium-Bergbau, der mit dem Aufstieg bestimmter Technologien vorerst an Bedeutung gewinnen wird.

Wie ein „U-Boot ohne Kontakt zur Außenwelt“

Die Verhandlungen zwischen der US-Regierung und den Taliban, die jahrelang in Katar liefen, haben zu keinem Ergebnis geführt. Wieder können sich einfache Stammeskrieger rühmen, eine Großmacht hinausgeworfen zu haben. Die Folgen für die Nato sind aus heutiger Sicht noch völlig offen, aber die vielen kleinen Etappensiege, die „zivilmilitärische“ Zusammenarbeit und alles, dessen man sich dazwischen rühmte, wird zu den Akten der Niederlagen am Hindukusch zu legen sein. Ein deutscher Verteidigungsminister meinte einst, dass „Deutschland am Hindukusch verteidigt wird“. Doch war dieser Nato-Einsatz ein Lehrbeispiel, wie es nicht sein sollte. Der US-General Stanley McChrystal, ein Jahr Oberbefehlshaber der ISAF-Truppen in Afghanistan, beschreibt in Interviews die vielen Defizite. Wie ein „U-Boot ohne Kontakt zur Außenwelt“ seien die Truppen durch das Land geirrt. Es fehlten vom ersten Tag an Dolmetscher und Ausbilder. Im Herbst 2001 schaltete das US-Außenamt Inserate für die Rekrutierung von Arabisten für den Afghanistan-Einsatz, auch wenn dort nur die Exil-Araber Arabisch sprachen und die Einheimischen eine Vielzahl anderer Sprachen…

Die Nato hat also per 29. April den Rückzug ihrer Mission aus Afghanistan gestartet. Mit dem Einsatz „Resolute Support“ waren nunmehr rund 9600 Nato-Soldaten stationiert. Ob es zu Rückzugsgefechten und letzten Vendetta-Hinterhalten kommt oder doch alles reibungslos für die Truppen, wohl nicht für die afghanische Regierung und die Einheimischen, vonstattengeht, wird sich zeigen. Hier hätte man sich zumindest an den Israelis orientieren können: diese zogen vor 21 Jahren, am 25. Mai 2000, gleichsam über Nacht aus dem Südlibanon ab, nach 18 Jahren gescheiterter Okkupation. Tote und Kämpfe konnten so vermieden werden, aber die PR-Schlacht gewann der „Widerstand“, in dem Fall die Hisbollah.

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