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Freitag, Juli 30, 2021
Start Europa Top-Manager über 16 Jahre Merkel: „Deutschland ein Sanierungsfall“

Top-Manager über 16 Jahre Merkel: „Deutschland ein Sanierungsfall“

Wolfgang Reitzle, einer der bekanntesten deutschen Manager, kann die Zeit bis zu einer neuen Bundesregierung nicht schnell genug abwarten. Er zeichnet in einem Interview ein drastisches Bild der deutschen Wirtschaftslage und befürchtet den Abstieg ganzer Wirtschaftszweige – und das liege nicht nur an der Corona-Pandemie.Wolfgang Reitzle war insgesamt 23 Jahre bei BMW, davon 13 Jahre als Mitglied des Vorstands. In dieser Zeit kamen einige der bis heute erfolgreichsten Produkte des Autoherstellers auf den Markt.Als Vorstand der Premier Automotive Group von Ford in London war er anschließend für die Marken Aston Martin, Jaguar, Lincoln, Volvo und Land Rover verantwortlich. 2002 wechselte er in den Vorstand des DAX-30-Konzerns Linde, dessen Vorsitz er 2003 übernahm. Innerhalb kürzester Zeit formte Reitzle aus dem traditionellen Mischkonzern deutscher Prägung ein fokussiertes, weltweit führendes Gase- und Anlagenbauunternehmen. Seit 2005 ist er auch Honorarprofessor für Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Uni München.

Berlin ein „failed State“?

Im Interview mit der „Welt am Sonntag“ zeigt sich der Top-Manager fassungslos über den Zustand der Bundesrepublik:

„Dass trotz eines Verteidigungshaushaltes von 47 Milliarden Euro Gewehre nicht schießen, Panzer nicht fahren und Flugzeuge nicht fliegen, scheint bei uns niemanden mehr aufzuregen – wird aber in anderen Ländern wohl registriert. Die Unfähigkeit, einen Flughafen für unsere Hauptstadt zu bauen, hat die ganze Welt erstaunt.“Aber nicht nur die Versäumnisse bei Bundeswehr und Infrastruktur sieht er kritisch, sondern auch die vermeintliche Aufgabe gegenüber einzelnen Gruppen in der Verbrechensbekämpfung. Besonders deutlich wird er dabei gegenüber der Hauptstadt und ihrem Regierenden Bürgermeister Michael Müller:

„Berlin ist heute eine der wohl am schlechtesten regierten Hauptstädte Europas. Das Wegschauen bei Kriminalität, das Zulassen von Hausbesetzungen und die Ausbreitung der Clankriminalität – wo immer man hinschaut: Berlin ist eine dysfunktionale Stadt, ein failed state.“

„Bürokratie im Faxzeitalter“

Nach 16 Jahren und vier Wahlperioden unter Bundeskanzlerin Angela Merkel sei Deutschland mittlerweile „in vielen Bereichen ein Sanierungsfall“, so der Manager gegenüber der „Welt“. Dabei gehe es vor allem um fehlende Modernität bei Infrastrukturen und Digitalisierung sowie sich daraus ergebende, überbordende „Bürokratie im Faxzeitalter“.

Diese Verfehlungen spüre man nun in der Impfsituation besonders deutlich, in der es keine Überregulierung durch Föderalismus und langwierige Verwaltungsprozesse geben dürfe, sondern stattdessen schnelle und klare Entscheidungswege nötig seien.Vor allem ärgert Reitzle, dass man die Impfungen „ausschließlich über Impfzentren umsetzen wollte. Aber gerade hier fragt man sich doch, weshalb nicht von Anfang an die über 100.000 niedergelassenen Ärzte als dezentrale Impfstationen genutzt wurden. Denn sie kennen ja ihre Patienten genau und wissen am besten, wer zuerst geimpft werden sollte.“

„Staat versagt kläglich“

Für Reitzle eine fatale Situation:

„Der Staat beansprucht die Totalkontrolle über das Impfen und versagt kläglich – wie immer, wenn es um Effizienz und Geschwindigkeit geht. Unnötig viele Menschen sterben wegen der Unfähigkeit unseres überregulierten Behördenapparates.“So sei es auch zu diesem berühmten Inzidenzwert von 50 gekommen: weil ermittelt wurde, dass nur bis zu dieser Grenze die Gesundheitsämter in der Lage wären, eine Infektions-Nachverfolgung vorzunehmen. Das heiße: „die gesamte Lockdown-Politik orientiert sich an der Begrenztheit einer rückständig arbeitenden Behörde.“ Der Staat habe sich „in seiner völlig ineffizienten und überregulierten Behörden- und Vorgabenstruktur verheddert.“Hinzu kämen zusätzlich die Probleme mit einer Corona-Warn-App, die durch übertriebene Datenschutzbedenken vollkommen unbrauchbar geworden sei.

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