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Samstag, September 25, 2021
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„Leben retten oder Profite maximieren?“ – Polit-Kollektiv ruft zu Leak von Biontech-Impfstoff auf

Dürfen Corona-Impfstoffe patentgeschützt sein? Das Kollektiv „Peng!“ kritisiert die weltweit ungleiche Verteilung und ruft zum Leak des Biontech-Impfstoff-Rezepts auf. Gleichzeitig kritisieren westliche Medien Impfstofflieferungen von China und Russland an Entwicklungsländer.Auf die Mitarbeiter der Biontech-Impfstoffwerke in Mainz und Marburg wartet am Mittwochmorgen eine Überraschung: „Deine Arbeit kann Leben retten – oder Profite maximieren“, heißt es auf mehreren Großplakaten und Haltestellenpostern vor den Werkstoren, verbunden mit der Aufforderung: „Leake den Biontech Impfstoff.“Daneben ein Link zu der Website biontech-leaks.org, über die man zu der Enthüllungsplattform ddosecrets weitergeleitet wird. Dort sollen die Forscherinnen, Laborassistenten oder Buchhalterinnen von Biontech die Herstellungsanleitung für den mRNA-Impfstoff des Unternehmens mit der Welt teilen. Die Aktion trifft mitten in die Debatte über den langsamen Impffortschritt in Deutschland, der Schweiz und anderen europäischen Ländern – und die ungleiche Verteilung von Vakzinen weltweit.

Schnell handeln und Menschenleben retten

Hinter dem direkten Aufruf steht das Berliner Polit-Kollektiv „Peng!“, das die Gerechtigkeitsfrage angesichts der weltweit ungleichen Verteilung der Impfstoffe zum Gegenstand seiner neuen Kampagne gemacht hat. Wie üblich bei ihren Aktionen gibt es dazu ein Video.

„In Anbetracht dieser globalen Krise, in der nicht alle Länder den gleichen Zugang zu den Impfstoffen haben, muss das Wissen geteilt werden“, sagt Kampagnensprecherin Robin Barnabas im Gespräch mit der „Taz“. Pressesprecher Robin Barnabas fügt der „Zeit“ gegenüber hinzu: „Wir sind in einer Ausnahmesituation, da ist es legitim auch zu solchen Mitteln zu greifen, um schnell zu handeln und Menschenleben zu retten.“

98 Prozent des Impfstoffes für zahlungskräftige Länder mit Exklusivverträgen

Die Ungerechtigkeit der weltweiten Verteilung von Impfstoffen sei eklatant. In der „Zeit“ rechnet Barnabas vor: „2021 werden 9 von 10 Menschen auf der Welt keine Impfung bekommen, fast alle davon im globalen Süden, während in den reichen Ländern fast alle Menschen geimpft sein werden.“

Nach Plänen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollen mittels der Covax-Initiative, einem globalen Einkaufsmechanismus, in diesem Jahr 20 Prozent der Bevölkerung in den ärmsten Ländern geimpft werden. Selbst wenn das gelingen sollte, heißt das im Umkehrschluss: Während die Bevölkerungen in vielen westlichen Ländern noch in diesem Jahr durchgeimpft werden sollen, wird das in großen Teilen Afrikas nicht vor 2023 der Fall sein. Von zwei Milliarden Dosen, die Biontech bis einschließlich 2021 produzieren will, sind 98 Prozent für zahlungskräftige Länder mit Exklusivverträgen vorgesehen, nur 40 Millionen Dosen für Covax.Lara Dovifat von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen sagt im Gespräch mit der „Taz“, die Politik schütze das „Interesse der Industrie auf Absatzmärkte, Monopolstellungen und hohe Preise“. Es ginge „eher um Kapitalinteressen als um das Überleben von Menschen im Rest der Welt.“

Impfstoff gegen Ansehen und Einfluss?

Auch die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) hat das Thema internationale Impfstoff-Verteilung für sich entdeckt. Bei ihnen liegt der Schwerpunkt allerdings woanders. In einem Kommentar fordert Katrin Büchenbacher die „Impfstoff-Verteilung auf Entwicklungsländer nicht China und Russland zu überlassen“.Diese beiden Länder würde nämlich nicht warten, bis eine „globale Initiative zur fairen Impfstoffverteilung“ gestartet würde, sondern einfach jetzt schon Vakzine in „strategisch wichtige Länder“ liefern und so sagen: „Wir sind für euch da.“Die Vorteile für China und Russland, „im Alleingang zu handeln“, lägen auf der Hand. Zum Beispiel erhalte so Chinas Afrika-Offensive Aufwind. Diese Woche hätte China schon die „Kühlketten-Luftbrücke“ zwischen Peking und Äthiopien eröffnet.Kann man es schon zynisch bezeichnen, wenn die Autorin nun den Chinesen vorwirft, sich so „als Helfer in der Not, als verantwortungsvolle Großmacht, die im Top-Pharmabereich mitspielen kann“ zeigen würde?Kein Wort darüber, dass der Impfstoff, den China und Russland an die Entwicklungsländer liefert, dort auch Leben retten könnte. Stattdessen würde derjenige der es schafft, auch Entwicklungsländer mit Impfstoff zu versorgen, den „geopolitischen Wettstreit um Ansehen und Einfluss in der Welt“ gewinnen. Immerhin zitiert die „NZZ“ am Ende selbst den nigerianischen Journalisten Nwachukwu Egbunike mit der Einsicht: „Uns ist es egal, woher der Impfstoff kommt. Hauptsache, die Pandemie wird eingedämmt.“

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