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Montag, September 20, 2021
Start Europa „Gefahr lauert drinnen“: Aerosolforscher fordern Kurswechsel bei Corona-Maßnahmen

„Gefahr lauert drinnen“: Aerosolforscher fordern Kurswechsel bei Corona-Maßnahmen

Deutschlands führende Experten für Aerosole – also die Luftgemische, in denen auch das Coronavirus schwebt – haben sich mit einem Appell an die Bundesregierung und die Landesregierungen gewandt, damit die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Seuche umgestaltet werden.Die Forscher betonten, es gelte als sicher, dass das Coronavirus sich vor allem über Luft verbreite, und wiesen dabei auf publizierte vielfältige Erkenntnisse zur Übertragung der SARS-CoV-2 Viren über den Luftweg hin, die 2020 in einem Positionspapier der Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) zusammengefasst und aufbereitet worden seien. Zu den Unterzeichnern des offenen Briefs vom Sonntag zählen GAeF-Präsident Christof Asbach, Generalsekretärin Birgit Wehner und der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch.„Die Übertragung der SARS-CoV-2 Viren findet fast ausnahmslos in Innenräumen statt“, hieß es.Im Freien sei das äußerst selten, im Promille-Bereich. Auch würden im Freien nie größere Gruppen – sogenannte Cluster – infiziert, wie das in Innenräumen etwa in Heimen, Schulen, bei Veranstaltungen, Chorproben oder Busfahrten zu beobachten sei.

Die Wissenschaftler warnen: In Innenräumen finde auch dann eine Ansteckung statt, wenn man sich nicht direkt mit jemandem treffe, sich aber ein Infektiöser vorher in einem schlecht belüfteten Raum aufgehalten habe.„Leider werden bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt.“Stattdessen würden eher „symbolische Maßnahmen“ wie die Maskenpflicht beim Joggen erlassen, die keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten lassen. Debatten über das Flanieren auf Flusspromenaden, den Aufenthalt in Biergärten, das Joggen oder Radfahren seien kontraproduktiv.„Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass DRINNEN die Gefahr lauert.“

In Wohnungen, Büros, Klassenräumen, Wohnanlagen und Betreuungseinrichtungen müssten Maßnahmen ergriffen werden. Die Aerosolforscher empfahlen in etwa, Treffen in Innenräumen so kurz wie möglich zu gestalten, mit häufigem Stoß- oder Querlüften Bedingungen wie im Freien zu schaffen, effektive Masken in Innenräumen zu tragen sowie Raumluftreiniger und Filter überall dort zu installieren, wo Menschen sich länger in geschlossenen Räumen aufhalten müssen – etwa in Pflegeheimen, Büros und Schulen.„Wer sich zum Kaffee in der Fußgängerzone trifft, muss niemanden in sein Wohnzimmer einladen. Dort ist die Einhaltung der bekannten Hygieneregeln zu erwarten, zu Hause dagegen nicht.“Die Ausgangssperren hingegen versprechen aus der Sicht der Autoren mehr, als sie halten können. Damit würden die heimlichen Treffen in Innenräumen nicht verhindert. Stattdessen werde lediglich die Motivation erhöht, sich den staatlichen Anordnungen noch mehr zu entziehen.

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